Warum man Gerwyn Price nicht hassen sollte

Gerwyn Price bezeichnete sich selbst als den am meisten gehassten Spieler auf dem PDC Circuit. Nach seinen Zusammenstößen mit Simon Whitlock und mit Gary Anderson beim Grand Slam of Darts wurde der Waliser regelmäßig ausgebuht und von den meisten Fans mit Verachtung bedacht.

Inzwischen hat James Wade ein wenig mit ihm gleichgezogen, nachdem er bei der WM Seigo Asada ins Gesicht brüllte, aber darum soll es hier nicht gehen. Lässt sich der Hate gegenüber Price rechtfertigen? Es ist zwar richtig, dass die Reaktionen und emotionalen Ausbrüche des „Iceman“ ein bisschen übertrieben sind und den Gegner eventuell nerven können. Aber man muss auf den Hintergrund schauen. Price hat vor seiner Darts-Karriere Rugby gespielt. Ein Sport, in dem Emotionen und Aggressionen eine gewisse Rolle spielen. In angebrachter Form natürlich. Price hat sich also schon vor seiner Darts-Karriere auf diese Weise gepusht und das so übernommen, damit er sich auch am Board in den Modus, den er braucht bringen kann. Lange hatte man sowas im Dartsport nicht gehabt. Dann kam ein gewisser Michael van Gerwen auf die Tour, der sich selber mit emotionalen Ausbrüchen pushte. Der Holländer setzte diese Mittel allerdings nur ab und zu und in angebrachter Form ein. Ein paar Spieler begannen das dann zu übernehmen und eben – Gerwyn Price.

Lawrence Lustig/PDC

Bei Price wurde es als übertrieben angesehen, da dieser sich bei jeder Kleinigkeit aufplusterte und sowohl Gegner als auch Fans entnervte. Doch das änderte sich. Seine Reaktionen beschränkten sich zunehmend mehr auf wirklich wichtige Momente und zum Beispiel nicht mehr auf einzelne Triple-Treffer. Ganz anders als zum Beispiel ein Corey Cadby, der überraschenderweise nie so viel Kontra bekam wie der Waliser. Nur Phil Taylor kritisierte Cadby damals öffentlich und der Großmeister selbst äußerte sich auch über Price wenig später. Nach seinen Sieg über Price zum Auftakt des World Matchplays 2017 sagte Taylor, dass Price das gewisse Etwas habe, weit kommen würde und ihn in gewisser Form an sich selbst erinnern würde.

Taylor behielt Recht, denn Price hat inzwischen ein Major gewonnen und ist ein Kandidat für weitere Titel. Und auch die Fans haben ihre Wut gegenüber Price etwas zurückgefahren. Buhrufe gibt es zwar immer noch, vor allem in Schottland, aber sein Name wird inzwischen in den Hallen gesungen und das sogar auch im positiven Sinne. Denn Price begeistert inzwischen mit seiner fantastischen Form und zieht so die Fans auf seine Seite. Um nochmal auf die Ausgangsfrage zurückzukommen: Sollte man Price für seine Reaktionen hassen beziehungsweise verurteilen? Man kann ihn sicherlich dafür nicht mögen und seine Reaktionen nervig finden, aber Hass wäre doch eine Stufe zu hoch. Schließlich ist das Price-Schreien Schlüssel zu seinem guten Spiel, so wie es bei Michael van Gerwen das Hochziehen der Socken ist. Und abseits des Boards ist Gerwyn ein sehr netter und freundlicher Mensch, so viel sei gesagt. Dass er gerne provoziert, so wie er das mit Gary Anderson nach dem Finale beim Grand Slam getan hat und wie er sich mit Adrian Lewis angezickt hat, ist unbestritten, aber ist eben ein Teil seines Spiels, seiner Mind Games.

Lawrence Lustig/PDC

Und solange das nicht über die Stränge schlägt, ist es auch vollkommen in Ordnung. Die saftige Strafe der DRA für sein Verhalten beim Grand Slam wurde unter anderem von Wayne Mardle und Phil Taylor stark kritisiert, denn Price hat offiziell keine Regel gebrochen, sondern nur Gary Anderson.
Wer sich mit der Spielweise des Iceman also nicht abfinden kann, der hat jegliches Recht dazu, aber hassen sollte man Price dafür nicht. Wer kann schon sagen wie er/sie selbst in solchen Situationen handeln würde? Die Emotionen sind entsprechend schwer zu beurteilen. Fest steht nur, dass Gerwyn Price in seiner aktuellen Form ein Gewinn für die PDC ist und viel Freude bei den Fans verbreitet. Und was genau wollen wir denn schon mehr? Emotionen, Drama und hohe Scores- und genau das wird aktuell von Price geliefert.

Lawrence Lustig/PDC

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