Deutscher Heimvorteil – Unfair?

Seit 2011 wird der Worls Cup of Darts in Hamburg ausgetragen. Auch ein Großteil der European Tour findet auf deutschem Boden statt. Ist der Heimvorteil nötig, um den Markt in Deutschland zu stärken?

„Es kann ein Vorteil sein, wenn beide Spieler gut in Form sind und die Fans sie unterstützen, allerdings bedeutet es auch eine Menge Druck vor heimischem Publikum zu spielen, wie man bei Max Hopp gesehen hat. Ein großartiger Vorteil ergibt sich damit aus meiner Sicht nicht.“

So beantwortete Ex-Weltmeister Mark Webster diese Frage „GameOn“ gegenüber. Aber hat „The Spider“ Recht oder ist der deutsche Heimvorteil doch größer als gedacht?
Es ist nicht nur eine Sache der Unterstützung, sondern auch das Verhalten der deutschen Fans gegenüber den Gegnern ihres Teams.

Oft genug sind die anderen Teams Pfiffen ausgesetzt gewesen. Und das ist nicht nur beim World Cup der Fall gewesen, denn auch auf der European Tour wurden die anderen Spieler häufig ausgepfiffen und wurden aus dem Konzept gebracht. Das beste Beispiel dafür ist der Ire William O‘Connor, der in der ersten Runde der European Darts Championship stark ausgepfiffen wurde und sich mit dem Publikum regelrecht anlegte.

Auch Kim Huybrechts sah sich gegen Martin Schindler am letzten Wochenende den Pfiffen ausgesetzt, blendete dies jedoch aus und antwortete mit Leistung.

Sieht man allerdings von diesem unfairen Verhalten der Fans ab, dann bieten sie auch eine teils unglaubliche Atmosphäre. Wayne Mardle lobte diese nach dem Finale bei Sky Sport England, sprach sich für einen Verbleib in Hamburg aus und sagte, dass keine einzige Session ohne gute Stimmung vorübergeht. Und das stimmt auch, denn die Spieler werden gefeiert (solange sie nicht gegen Deutsche spielen) und Gesänge schallen fast durchgehend durch die Halle.

Doch kommen wir zu der eigentlichen Ausgangsfrage zurück:
Die deutschen Spieler wirken jedes Mal deutlich gepusht, wenn sie vor ihren eigenen Fans spielen. Gerade ein Martin Schindler, der zuletzt eine schwierige Zeit durchlebte, wirkte befreit und zeigte sein Können.
Doch dann traf genau das ein was Mark Webster sagte: der Druck. Schindler hatte Matchdarts gegen Huybrechts und schien in dem Moment zu viel nachzudenken, hörte vielleicht das in dem Moment besonders laute Publikum und verpasste. Huybrechts bestrafte ihn eiskalt und der ganze Druck und die Hoffnungen der Fans lagen auf den Schultern von Max Hopp. Doch der brach unter diesem komplett zusammen und spielte einen katastrophalen Average von 74. Und das, obwohl die erste Runde aus deutscher Sicht mehr als nur gut verlief. Man hatte das Gefühl, das die beiden ohne den Druck von starken Gegnern ihren Auftritt genießen konnten und Leistung brachten. Doch kaum kam Druck vom Gegner, gingen die Leistungen nach unten.
Also hat die Deutsche Mannschaft wirklich einen Heimvorteil? Nein, denn wie Mark Webster schon sagte, ein Heimspiel ist immer auch mit Druck verbunden, denn schließlich will man die Fans ja nicht enttäuschen.

Der Druck hat auch mit der Entwicklung des Dartsports in Deutschland zu tun. Die Deutschen sind immer besser geworden und Erfolge wie die Titel von Max Hopp, das erreichen von Viertelfinals beim World Cup haben die Erwartungen der Fans eben erhöht. Klar, der Support ist trotzdem oder gerade deswegen fantastisch.
Doch wäre es trotz des Drucks nicht „fairer“ wenn andere Nationen ihre Heimspiele bekommen würden? Anhand des Auftritts von John Henderson bei der Premier League in Aberdeen konnte man einen ungefähren Eindruck davon bekommen wie das aussehen würde. Logischerweise ist es nicht möglich, dass das Turnier außerhalb von Europa stattfindet, denn die PDC Europe ist schließlich der Veranstalter.
Aber wäre es nicht trotzdem schön, wenn auch mal „kleinere“ Nationen mal ihren Heimauftritt bekommen würden? Ein Jahr in Polen, dann in Belgien, in Irland oder in Spanien? Nächstes Jahr wird der World Cup allerdings wie bisher in Deutschland bleiben und das deutsche Duo wird eine neue Chance bekommen das Publikum zu begeistern.

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