GameOnExclusive | RvB: „Ich will eigentlich gar nicht aufgeben.“

Wir haben den 5 fachen Weltmeister Raymond van Barneveld vor den World Series Finals in Amsterdam getroffen, um mit ihm über das Ende seiner Karriere zu reden.

Raymond, du wirst ab jetzt nur noch drei oder vier Turniere in deiner langen Karriere spielen. Was ist das für ein Gefühl?

„Natürlich bin ich traurig auf eine bestimmte Art und Weise. Ich will eigentlich nicht aufgeben, aber ich habe schon seit 5 Jahren kein Turnier mehr gewonnen. Und dann kam der Punkt an dem ich realisiert habe, dass ich nicht mehr gut genug bin. Die Leute in meinem Umfeld haben zwar gesagt ich wäre es, aber ich gewinne nichts mehr und ich möchte nicht mehr zu Turnieren fahren um nach der ersten oder zweiten Runde wieder nach Hause zu fahren. Ich will das so nicht mehr. Als Ersatz werde ich dann viele Exhibitions machen und da freue ich mich drauf.“

Du hast diese Entscheidung vor knapp einem Jahr getroffen. War das der Hauptgrund, dass du nichts mehr gewinnst bzw. nicht immer wieder in Runde 1 oder 2 ausscheiden willst?

„Das war auf jeden Fall ein Teil dessen. Ich hatte in dem Moment der Entscheidung ein schlechtes Gefühl, weil ich eigentlich weiterspielen wollte, bis ich 55 bin. Das es jetzt 3 Jahre früher soweit ist hat mehrere Gründe. Zum einen, dass ich nichts mehr gewinne, aber auch die Diabetes macht es mir schwer. Ich hab oft kalte Hände und meine Augen werden auch schlechter. Außerdem hat der spielerische Standard auf der Tour inzwischen ein unfassbares Level erreicht. Ich stehe nach wie vor hinter meine Entscheidung, aber natürlich bin ich traurig, denn Darts war 35 Jahre lang der wichtigste Teil in meinem Leben.“

Raymond van Barneveld 2007

Hast du bereits Pläne für deine „Rente“?

„Exhibitions, wie hier in Wittlich, schöne Dinge unternehmen mit meiner Familie und meiner Freundin und natürlich Ferien. Ich denke, ich werde so etwa 6-10 Exhibitions pro Monat machen können. Und ansonsten schauen wir mal.“

Aber du wirst nicht so viele wie Phil Taylor machen, oder?

„Nein, das glaube ich nicht. Er hat allein in seinem ersten Jahr über 200 Stück gemacht. Klar, kann ich das auch schaffen, aber ich plane nicht mehr als 60-80 pro Jahr zu machen. Es kommt auch immer darauf an welche Termine man bekommt und wann man verfügbar ist.“

An diesem Wochenende findet dein letztes PDC Turnier in Holland, die World Series Finals, statt. Wie ist das für dich noch einmal dort hinzukommen und auf der Bühne zu stehen?

„Na ja, es ist sicherlich ein schönes Turnier, aber es ist nicht so das große Ding für mich. Die ersten beiden bekommen eine Wildcard für den Grand Slam und das wars. Es ist auch kein Ranking Turnier, also freut sich zwar dein Konto über das Geld, aber es bringt dir nichts für die Rangliste. Ich würde lieber den Grand Slam, falls ich dabei bin, oder die Players Championship Finals gewinnen als die World Series, weil das wenigstens für die Rangliste zählt. Aber selbst wenn ich das schaffe, macht das auch keinen Unterschied mehr, weil ich im Januar sowieso aufhöre. Also will ich die Turniere nutzen, um mich auf die WM vorzubereiten, denn darum geht es mir im eigentlichen Sinne. Es würde mir sehr viel bedeuten, wenn ich dieses Turnier noch einmal gewinnen könnte.“

PDC/Lawrence Lustig

Glaubst du, dass du noch ein Major Turnier gewinnen kannst? Du hast im letzten Jahr mehrfach gesagt, dass du dazu in der Lage bist, aber wie siehst du das jetzt?

„Ja natürlich kann ich das! Ich kann jeden Spieler auf dieser Welt schlagen, aber dafür muss ich hart trainieren. Wenn ich das nicht tue, dann werde ich nicht weit kommen. Allerdings passieren gerade so viele Dinge um mich herum. Ich bin mitten in meiner Scheidung, mein Buch kommt am 18. November raus und dazu kommen noch viele Pressetermine. Deswegen schaffe ich es aktuell nicht so viel zu trainieren, wie ich sollte. Aber das ist einfach ein Teil dieses Lebens und ich hoffe das ich genug Zeit haben werde um mich für die WM in Form zu bringen.“

Die WM wird dann dein letztes Turnier sein. Im letzten Jahr bist du direkt zum Start in Runde 2 an Darius Labanauskas gescheitert. Denkst du es ist ein Nachteil, wenn die Topspieler erst in Runde 2 einsteigen und der Gegner bereits die Möglichkeit hatte, sich an die Bühne zu gewöhnen?

„Ja, es war schon anders. Normalerweise habe ich immer ein paar Wochen vorher gewusst auf wen ich treffen werde, aber diesmal eben nicht. Ich wusste nur, dass es Matthew Edgar oder eben Labanauskas sein würde. Erst 24 Stunden wusste ich dann Genaueres. Und das ist nicht unbedingt die Art, wie ich mich gerne vorbereite. Ich möchte das am liebsten früher wissen.
Außerdem hab ich an dem Tag sehr schlecht gespielt, obwohl am Practice Board noch alles in Ordnung war. Aber auf der Bühne hab ich dann so viele wichtige Darts, vor allem für Satz 3, verpasst und das hat das Ganze dann entschieden, obwohl ich sogar noch das 2:2 machen konnte.“

Ist es ein besonderes Gefühl zum letzten Mal nach London zu fahren und zu wissen das es das letzte Mal auf der Bühne sein wird?

„Ja klar, auch weil ich nicht weiß, was dort passieren wird. Es wird nicht das letzte Mal in London sein, weil meine Freundin dort lebt, aber natürlich wird mir etwas fehlen. Der Stress, die Anspannung, die ganzen Leute die „Barney Army“ schreien, denn ich habe mein Leben lang nichts anderes gemacht als Darts, Darts, Darts. Seit ich 17 war habe ich nichts Anderes gemacht, aber das hört jetzt auf und gibt mir auch die Möglichkeit andere Dinge zu tun, wie zum Beispiel eine Dartschule aufzubauen oder talentierten Spielern auf ihrem Weg zu helfen. Aber wir werden sehen, was passiert und bis dahin veranstalten wir Abende wie diesen hier da freue ich mich drauf. Die Leute sind großartig, das Geld ist auch gut und gerade in Deutschland wächst etwas heran und das ist schön zu sehen. Solche Veranstaltungen machen Spaß und für die Leute ist es natürlich großartig, die Stars so nah zu sehen und Autogramme sammeln und Fotos machen zu können.“

PDC/Lawrence Lustig

Und zum Schluss: Wenn du auf die nächsten Turniere schaust, gibt es da Ziele die du dir gesetzt hast oder willst du es einfach nur noch genießen?

„Das ist schwer zu sagen, denn man muss immer schauen, was realistisch ist. Die letzten Jahre waren schlecht und besonders dieses Jahr war ein Desaster. Ich kann natürlich sagen, dass ich die World Series, Players Championship Finals und natürlich die WM gewinne, aber ist das auch realistisch? Nein. Ich hoffe, dass ich gut spiele, einige Spiele gewinnen kann und dieses Wochenende in Amsterdam ins Finale komme und so zum Grand Slam fahren kann. Denn mache ich das erst bei den Players Championship Finals, dann muss ich noch ein Jahr warten, obwohl ich ja eigentlich aufhören wollte (lacht). Aber nein, ich hoffe einfach ein paar gute Spiele machen zu können und dann die WM auf dem bestmöglichen Level zu spielen.“

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